Fachbeitrag
Nachhaltigkeitsratings vergleichen ohne Score-Fetisch
Wer zwei ESG-Ratings nebeneinanderlegt, findet regelmäßig Widersprüche: AAA hier, mittelmäßig dort. Das ist kein Bedienfehler — es folgt aus unterschiedlichen Gewichtungen, Datenständen und Controversies-Definitionen. Künstliche Intelligenz, die aus einem Rating eine Erzählung baut, verstärkt oft den Eindruck von Eindeutigkeit.
Scores sind Argumente, keine Wahrheiten
Ein Score verdichtet Annahmen. Für das Gremium zählt, welche Annahme zur eigenen Ausschlussliste passt. Ein Anbieter, der Waffen über Umsatzschwellen steuert, kann für eine Kirchenstiftung relevanter sein als ein Anbieter mit Fokus auf Governance-Scores.
Abweichungen dokumentieren
Statt den „besseren“ Score zu wählen, empfehlen wir eine Abweichungstabelle: Emittent, Score A, Score B, vermutete Ursache, Handlungsbedarf. Diese Tabelle überlebt Sitzungsprotokolle besser als eine einzelne Ampelfarbe.
KI-Narrative zurückbinden
Wenn ein Assistent schreibt, Emittent X sei „führend in Nachhaltigkeit“, fragen Sie: laut welchem Anbieter, welchem Jahr, welcher Metrik? Ohne diese drei Angaben gehört der Satz nicht in die Beschlussvorlage.
Mehr zur praktischen Anwendung in unserer Methodik und im Workshop.