Fachbeitrag
Scope-3-Lücken: was Lieferkettenangaben verschweigen
Scope-3-Emissionen — indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette — sind für viele nachhaltige Anlagestrategien entscheidend. Gleichzeitig gehören sie zu den lückenhaftesten Feldern in ESG-Datensätzen. Modelle, die auf diesen Feldern trainieren oder sie gewichten, erben die Lücken.
Schätzung statt Messung
Viele Emittenten melden Scope 3 nur für ausgewählte Kategorien oder nutzen Branchenfaktoren. Ein KI-System, das diese Zahlen als „vollständig“ einliest, unterschätzt oft den Fußabdruck von Unternehmen mit komplexen Lieferketten.
Vergleichbarkeit als Illusion
Zwei Unternehmen derselben Branche können Scope 3 nach unterschiedlichen Grenzen berichten. Ratings, die daraus einen Score formen, vergleichen Äpfel mit Birnen — und Sprachmodelle wiederholen den Score in wohlklingenden Sätzen.
Was Analysten tun können
- Abdeckungsgrad der Scope-3-Kategorien explizit notieren
- Branchenfaktoren von gemessenen Werten trennen
- Bei Lücken keine „grünen“ Narrative aus dem Score ableiten
In der ESG-Analyseberatung markieren wir Scope-3-Unsicherheiten gesondert, damit Gremien wissen, wo Zahlen tragen — und wo sie nur Orientierung sind.